Standortsuche und Bauanträge zukünftig übers Internet

INSPIRE Europäisches Geodatenportal
Screenshot INSPIRE

Deutschland will Geodaten, also alle Daten, die sich auf Standorte beziehen auf Initiative der Europäischen Kommission für jedermann zugänglich im Internet verfügbar machen. Die Geodaten geben unter anderem Informationen zu Eigentümern und Bebauungsplänen sowie zur Topographie und Ökologie eines Stücks Land.

Interessant ist dieses Online-Vorhaben vor allem für Unternehmen, die Informationen zu potenziellen Baugrundstücken zusammentragen müssen. Denn bisher müssen diese Investoren zeitaufwändig von Behörde zu Behörde ziehen. Aber auch Privatleute sollen von den Daten profitieren.

Aufbau eines europäischen Geodaten-Portals

Die Initiative zum Aufbau einer Geodateninfrastruktur (GDI) kommt aus der Europäischen Kommission. Unter dem Namen INSPIRE (Infrastructure for Spatial Information in Europe) koordiniert die Europäische Kommission die nationale Umsetzung und gibt Zeitpläne vor, in deren Rahmen die Länder ihre Geodaten im Internet bereitstellen müssen. INSPIRE sieht webbasierte Online-Dienste für die Suche, die Visualisierung und den Download der Daten vor. Im Februar 2009 hat Deutschland kurz vor Ablauf der Frist das Gesetz über den Zugang zu digitalen Geodaten (Geodatenzugangsgesetz - GeoZG) beschlossen.

Die entsprechenden Gesetze der Bundesländer stehen überwiegend noch aus. Hessen will sein Gesetz im 3. Quartal 2009 verabschieden. Noch sind die deutschen Kommunen allerdings weit davon entfernt, die betreffenden Daten im Internet recherchierbar zu machen. Ein europäisches Geoportal soll dennoch zumindest in Teilen bereits bis 2011 stehen.

Deshalb haben die meisten Regionen Deutschlands damit begonnen, ihre Geodaten zu sichten, um festzustellen, was wo vorliegt, ob Informationen doppelt erhoben wurden und werden und welche womöglich veraltet sind. "Geodaten sind in einer Kommune nicht selten mehrfach abgelegt, bei den Naturschutzbehörden, beim Bauwesen oder auch beim Ordnungsamt", erklärt Jörg Blankenbach, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Geodätischen Institut der TU Darmstadt.

Zukünftig Geodaten für Jedermann

Mit der Verfügbarkeit der Geodaten über das Internet lassen sich aber auch neue Anwendungen erschließen. "Steht die Auskunft zu den Bebauungsplänen über Internet den Bürgern zur Verfügung, kann diese auch so erweitert werden, dass zukünftig Bauanträge der Gemeinde digital zugeleitet werden,"
zeigt Prof. Hans-Joachim Linke vom Geodätischen Institut und Institut für Kommunale Geoinformationssysteme e.V. (IKGIS) der Technischen Universität Darmstadt Anwendungsmöglichkeiten in Richtung eines E-Government auf. Auch kann die Bürgerbeteiligung bei den verschiedenen Planungsverfahren hier verbessert werden.

Während der INTERGEO, der weltweit größten Veranstaltung im Bereich Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement, schildert Hugo de Groof am Kongressmittwoch, 23. September, aus Sicht der europäischen Kommission den europaweiten Umsetzungsstand. Die passende Ergänzung aus deutscher Sicht übernimmt der Leiter der Koordinierungsstelle GDI-DE, Dr. Martin Lenk. INSPIRE(d) ist auch Andreas Schleyer und stellt die entsprechenden Aktivitäten für Baden-Württemberg vor. Ministerialrat Dr. Hartmut J. Streuff weiß „Hinter`m Horizont geht`s weiter…“ und widmet sich Europas Plänen nach INSPIRE.